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Die Weinstraße bei Kleinrinderfeld

Südlich von Würzburg, im Irtenberger Wald, kreuzte die Geleitstraße von Würzburg nach Tauberbischofsheim eine Weinstraße. An der Kreuzung beider Straßen wurden 1583 die sogenannten Hoheitssäulen errichtet, die sowohl die jeweiligen Grenzen als auch die Stelle der Geleitsübergabe markierten. 

Eine Karte aus dem 16. Jahrhundert zeigt die beiden Straßen in ihrer Umgebung (Geleitwegekarte: StaWü, MRA, K 275/52), in der unter anderem auch der Orte „cleinrinderfelt“ (Kleinrinderfeld)  abgebildet ist. In der Karte (abgebildet unter (1) läuft die Geleitstraße von links nach rechts, die Weinstraße von unten nach oben.

Der Grund für die Kartierung war wohl die im Jahre 1583 vereinbarte Verlagerung des Würzburger Geleits (Zollhoheit) nach Westen in den
Irtenberger Wald und die in diesem Zusammenhang ebenfalls getroffene Festlegung, dass die sogenannte „Weinstraße“ nunmehr die Grenze zwischen dem fürstbischöflich-würzburgerischem und erzbischöflich-kurmainzischen Gebiet sein soll.

Die beiden Altstraßen, auf die sich diese Vereinbarung bezieht, sind die von Osten nach Westen verlaufende „Nürnberger Geleitstraße“ (= Kaiserstraße) von Nürnberg über Würzburg – Höchberg – Kist – Irtenberg – Gerchsheim – Tauberbischofsheim bis nach Frankfurt/Main und die von Süden nach Norden verlaufende „Weinstraße“ von Aub über Giebelstadt – Ingolstadt – Moos – Kleinrinderfeld – Oberaltertheim – Neubrunn nach Wertheim.

Sicher war die Weinstraße auch von Aub und Wertheim aus erreichbar. Bedenken sollte man aber auch,dass die Weinstraße auch die alten Mainübergänge von Ochsenfurt und Urphar miteinander verbunden haben könnte. Damit hätte diese Straße das aus dem westlichen Teil des Maindreicks und dem östlichen Teil des Mainvierecks gebildetet Dreieck abgekürzt und Würzburg umgangen. Ihren Beginn könnte die alte Straße im  Osten in Bamberg oder Nürnberg gehabt haben ihr Ziel im Westen waren sicherlich der Spessart und Aschaffenburg.(Jochen Heinke)